»Rainer-Malkowski-Preis« der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München 2008
(zusammen mit Adolf Endler)

Laudator: Jens Jessen

Begründung der Jury

»Drawert, der jüngere der beiden Schriftsteller, verarbeitet in seinem Werk große Themen wie Ortlosigkeit bzw. Heimatlosigkeit oder auch Privateigentum. Diese Themen sind zum Teil zugleich die Titel seiner Bände. Durch den Gang der Geschichte haben sich viele seiner Gedanken bestätigt. Man könnte sagen, das Leben hat ihm recht gegeben, was nicht so häufig geschieht. Dabei pflegt Drawert in seinen Gedichten einen wunderbaren Stil, er ist ein echter Poet.«

Kurt Drawert,
Rede zur Verleihung des Rainer-Malkowski-Preises 2008

»Nicht immer sieht es so schön aus, / wenn die Biegsamkeit überlebt.«

»Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, vor allem sehr verehrte Frau Malkowski, ohne deren Großzügigkeit es diesen Preis nicht geben würde, liebe Jury, der ich herzlich zu danken habe, und, nicht zuletzt, lieber Jens Jessen, ein Dank auch Ihnen für Ihre großartige Rede, die etwas leistet, das ich mir gar nicht vorstellen konnte: zwei so verschiedene Autoren wie Adolf Endler und mich in einen nicht nur biografischen, sondern auch poetologischen Zusammenhang zu bringen.

Einen Preis zu erhalten, zumal einen so bedeutsamen wie den Rainer-Malkowski-Preis, ist gewiß eine Ehre und Bestätigung für etwas, das schon geleistet wurde und wohl nicht völlig vergeblich in der Welt ist. Ihn aber auch anzunehmen, ist etwas anderes und gar nicht so einfach, wie es scheinen mag. Denn man hat sich einiges zu fragen, das zu beantworten schwer werden kann. Die erste Frage, die ich mir stelle, leitet sich aus einem Begründungssatz ab, mit dem die Jury ihre Entscheidung erklärt, Zitat: ›Durch den Gang der Geschichte haben sich viele seiner Gedanken bestätigt. Man könnte sagen, das Leben hat ihm recht gegeben, was nicht so häufig geschieht.‹ Aber wollte ich denn, seit ich denken und schreiben kann, jemals recht haben? Oder gehört es nicht schon zu den Niederlagen, wenn tatsächlich eintrat, was befürchtet worden war? Denn die Imaginationen des Scheiterns, die traurigen Vorhersagen eine Gesellschaft betreffend, die auf dem Weg ist, sich selbst abzuschaffen, wurden nur allzu oft Realität und bittere Wahrheit. Das hat mit Irrationalismus nicht das geringste zu tun, sondern allein damit, daß der Mensch in jener Tiefe seiner selbst, in der auch Gedichte entstehen und Literatur, nicht mehr zu hintergehen ist. In dieser spür- und ahnbar werdenden Option, ein Wissen über die Sprache hinaus zu besitzen, entstehen Gedichte, und sie verfügen gleich ihrem Verfasser über jenes Unterbewußtsein, über das wir mit dem Eigentlichen dieser Welt in Kontakt sind. Und damit rede ich jetzt nicht gegen die Aufklärung und gegen ›den Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit‹, was immer das in einem Zeitalter der fremdverwalteten Innerlichkeit noch bedeuten kann. Ich rede über die Aufklärung hinaus, über die Antworten hinaus, die nichts wirklich eingebracht haben. Vielleicht war ich auch deshalb ein wenig irritiert, als ich den Satz vom Leben, das mir recht gab, zur Kenntnis nahm. Denn wenn etwas recht hatte, dann waren es am ehesten noch meine Gedichte, die ich ja allzu oft selbst erst später verstand, um rückblickend erstaunt zu sein, was vorausbedeutend nicht alles schon geschrieben worden war. Beispielhaft hierfür ein Gedicht, das im Sommer 1989 entstand, zu einer Zeit also, in der niemand sich vorstellen konnte, daß bald schon die DDR zusammenbrechen und die Mauer fallen würde.

Andere Arbeiter, ein anderer Herbst

Unverständlich und klar
liegen in ihrer Geschichte
die Dinge begraben.
Alles hat seinen Anfang
und seinen Krebs –
eine Empfindung von gestern
zur Stunde. Die Frau
und ihre gealterte Katze,
in deren Körper die Zeit
sich bewegt, zählen die Schnitte
auf der Platte des Tisches
den Tagebuchseiten
hinzu. Im Hintergrund
das bekannte Geräusch
der Fabrik. Andere Arbeiter,
sagt man, ein anderer Herbst,
wie es im Buch steht
und vorauszusehen war. 

So habe ich von meinen Gedichten immer nur gelernt, wie man auch von seinem Körper lernt, wenn man ihn zu lesen versteht. Ein Gedicht, das nicht klüger ist als sein Autor, ist bloße Behauptung und frei von jenem poetischen Mehrwert, der das Gedicht erst beglaubigt. Das meinte auch ein Satz Mallarmés zu Degas, der sich darüber beklagte, daß ihm seine Gedichte immer zu lang werden würden, und zur Antwort bekam: Gedichte werden ja auch aus Worten, nicht aus Gedanken gemacht. Vielleicht kann man es die Klugheit des Körpers nennen, die sich auf dem Umweg über die Sprache symbolisch konstituieren und weitergeben läßt, um am Ende, über alle Rhetoriken hinweg, auf eine unbestechliche Art und Weise recht zu bekommen. Die Bilder, die sich mir in den Gedichten und Prosatexten ergeben haben und von der Geschichte bestätigt wurden, sind daher auch gewiß nicht mit einem Gefühl der Genugtuung verbunden, sondern eher mit dem eines Versagens, mehr gewußt als getan zu haben. Aber ich habe ja nicht mehr gewußt als mein Text, und das nimmt mich nun wieder in Schutz. Diese Ungleichzeitigkeit von Wissen, Verstehen und Handeln entspricht wohl einem Gesetz, denn andernfalls müßten die Wissensvorräte, wie sie in den Bibliotheken lagern, den Lauf der Dinge aufhalten können. Nun glaube ich zwar, daß Literatur die Welt verändert, aber die Zeitachse, auf der das geschieht, geht mit den Anlässen und unserer Lebenszeit nur selten überein. Einmal hatte ich das Glück, es zu erleben: als die DDR und mit ihr der gesamte Ostblock an sich selbst zugrundeging und das Gedicht wie Phönix aus der Asche stieg und seine historische Wahrheit offenbarte. Ein kurzer Triumph, denn bald schon bin ich von den Kränkungen, die das Land mir vererbt hat, wieder eingeholt worden. Dann nämlich, wenn ich daran dachte, wie der Sechzehnjährige, der ich war in einer Fabrik, dafür gemaßregelt wurde, daß er Ansichten vertrat, mit denen er recht haben sollte. Und keiner war mehr zur Stelle, den man hätte fragen oder gar zur Rechenschaft ziehen können. Sie waren alle, mit dem verendeten Land und ihrer Verantwortung dafür, in einem Untergrund verschwunden, aus dem gelegentlich noch Leichengift nach oben dringt. Das war ein Grund dafür, daß ich wegging, ohne indes meiner Herkunft damit auch entkommen zu sein.

Mit Heine

Dies Land, von dem die Rede geht,
es war einst nur in Mauern groß,
dies Land, von Lüge zugeweht,

ich glaubte schon, ich wär es los.
Ich glaubte schon, es wär entschieden,
daß wer nur geht, auch gut vergißt.

Doch war nun auch ein Ort gemieden,
der tief ins Fleisch gedrungen ist.
Als fremder Brief mit sieben Siegeln

ist mir im Herzen fern das Land.
Doch hinter allen starken Riegeln
ist mir sein Name eingebrannt. 

In dieser Zeit nun meiner gefährdeten Jugend ist auch die Literatur als eine Überlebensmöglichkeit nicht nur wichtig, sondern zwingend für mich geworden und haben sich die Sinnzusammenhänge von Literatur und Gesellschaft poetologisch konsolidiert. Dabei gehörten für mich Form und Aussage immer zusammen. Die beste Absicht ist nichts wert, wenn sie ihre literarische Form nicht findet, wie andererseits die Form für gar nichts steht und auch nichts bedeuten kann. Einen Satz Jean-Paul Sartres würde ich auch heute noch sofort unterschreiben: ›Wenn die Literatur nicht alles ist, ist sie der Mühe nicht wert. Das will ich mit Engagement sagen‹. Literatur ist nicht schön, wenn sie nicht wahr ist, und sie kann nicht wahr sein, wenn sie nicht kritisiert. Das nun ist die zweite Frage, die ich mir heute stellen will: Wer ist eigentlich noch für die Werte eines humanitären gesellschaftlichen Fortbestandes, der sich durch Kritik am Bestehenden äußert, empfänglich? Ich gebe gern zu, daß ich ein Romantiker bin, und da das Begehren nach Harmonie eine besonders harte Projektionsfläche für Wirklichkeit abgibt, muß ich wohl literarisch hauptsächlich Alpträume haben. Auf die Kritik bezogen heißt das, das Kritisierte nicht zerstören, sondern verändern zu wollen, und was keinen Bestand hat, bleibt der Sprache entzogen. Allein, Kritik als produktiv zu betrachten, ist jedem totalitären System unmöglich, und deshalb muß es auch an seiner eigenen Überheblichkeit scheitern. Aber auch andere Systeme, die zur Reflexion untauglich sind, sterben aus, auch wenn dieser Sterbevorgang recht lange anhalten kann und über den Umweg medialer Täuschungen noch den Anschein von Glückseligkeit abgibt. Und wenn ich jetzt sage, daß mein jüngster lyrischer Zyklus ›Vom Ende der Poesie‹ heißt, dann verstehen Sie schon, daß ich den Zweifel meine, ob Literatur fern jeder Interessenausbeutung und Vermarktungswilligkeit noch eine realistische Chance hat, und mit ihr jene, die sie zu schaffen imstande sind.

Vom Ende der Poesie ( I ) 

Jedes Gedicht, sagte Herr Müller
von der HypoVereinsbank, 
ist ein Schuldschein,
und Sie schreiben zuviel. 
Ich also hängte diesen Teil
meines Lebens 
wie an einen Haken für Schweine.

Nein, ich will jetzt nicht das leidige Thema ›Geld und Gedichte‹ ansprechen, das auch mir nur unerfreulich ist, auch wenn natürlich stimmt, daß 1.) die kapitalistische Grundformel ›Zeit ist Geld‹ heißt, womit sich die Zeitgesetze eines Gedichtes wirtschaftlich betrachtet nur noch verheerend für dessen Produzenten auswirken, und 2.) ein Mann wie Ludwig Wittgenstein jun. kaum noch in Sicht ist, der in einem Brief vom 14.7. 1914 an Ludwig von Ficker schrieb: ›Sehr geehrter Herr! Verzeihen Sie, daß ich Sie mit einer großen Bitte belästige. Ich möchte Ihnen eine Summe von 100.000,– Kronen überweisen und Sie bitten, dieselbe an unbemittelte (…) Künstler (…) zu verteilen.‹ Noch mehr Sorge macht mir, was aus unserem Begriff von Literatur geworden ist, und wie sehr wir unsere Werte verlieren, wenn wir diesen Begriff aufgeben, der sich in seiner substantiellen Tiefgründigkeit doch immerhin recht lange gehalten hat. Denn was da nicht alles als Literatur avanciert und die Zu- und Abflüsse des Marktes verstopft, läßt mich darüber nachdenken, ob die Berufsbezeichnung ›Schriftsteller‹ nicht doch besser geschützt werden sollte. Nun greift diese Polemik natürlich ins Leere, weil ich zwar sagen kann, was ich für wichtig halte, aber über keine Möglichkeit verfüge, um diese Überzeugung auch praktisch umzusetzen. Denn Literatur und Kunst sind keine genuinen Werte, sondern unterliegen immer auch einem Meinungskonsens und bilden eine gesellschaftliche Verabredung darüber ab, was mit welcher Bedeutung erscheint. Wenn also der Literaturbegriff heute in den ›Feuchtgebieten‹ diverser Bestsellerlisten ertrinkt, dann sagt es erschreckend viel aus über das kulturelle Niveau der Gesellschaft, in der wir leben. Nicht dieses Buch gleichen Titels und dessen Autorin mit ihren doch recht privaten proktologischen Nöten sind der Skandal. Der Skandal ist sein kommerzieller Erfolg. Aber er ist auch nur für den ein Skandal, der nicht lesen möchte, wie es im Darmausgangsbereich einer sexuell hochaufgeregten jungen Frau aussieht. Und da sind wir schon in einer Minderheitsfalle, denn viele schauen dort ja offensichtlich gerne hinein, als wäre er der siebente Himmel, und die Kasse stimmt auch noch. Die Übereinkunft von Zeigelust und Voyerismus ist schon lange zu einem Wirtschaftsfaktor geworden und treibt immer bizarrere Blüten, die wir aber bitte nicht Literatur oder Kunst nennen wollen. Hier nun kommt auch das Argument von der Quote ins Spiel, die wie ein Damoklesschwert über uns schwebt. Aber was sagt uns die Quote? Stellen Sie sich einmal vor, auf dem Marktplatz würde wieder ein Galgen errichtet, und es fände eine Hinrichtung statt. Ich wette, die halbe Stadt wäre auf den Beinen. Was sich, über den Weg einer medialen Großvernetzung, die noch die entlegenste halbzivile Ritze in ihr sinnentleertes Raster zieht, an Verflachung und Vernichtung von Wahrnehmung bereits vollzogen hat, ist wohl kaum noch zu kompensieren. Daß sich, biologisch erwiesen, die Gehirnstrukturen adaptiv zu ihren funktionalen Beanspruchungsmustern langfristig verändern, sei hier nur am Rande vermerkt. Wir sind zu Abwesenden in einer Welt geworden, die wir fast nur noch aus den Chats und Foren des Internets kennen, um daher Wirklichkeit und symbolische Referenz permanent zu verwechseln. Ein Umgang mit komplexen literarischen Texten, die sich erst in der Rezeptionsbegabung eines Lesers entfalten, findet mehrheitlich kaum noch statt. Bei einer Lesung vor wenigen Tagen wurde ich vom Veranstalter mit den sicher gutgemeinten, aber verunglückten Worten begrüßt, daß ich, nun ja, ein wohl doch etwas schwieriger Autor sei und bitte nicht so lange lesen möchte. Aber kann eigentlich etwas schwieriger, komplexer und rätselhafter sein, als das Leben selbst, das zu verstehen wir uns bemühen mit den Mitteln der Sprache und der Literatur? Wo sind wir hingekommen, wenn wir keine Instanz mehr suchen, die das Leben dort reflektiert, wo es festgefahren ist und in der Sackgasse steckt. Und auch der Umkehrschluß gilt, denn meine gelegentlich etwas nachlassenden Motivationen zum Schreiben beziehen sich auf die Gefährdungen dieser Welt, auf ihre Defekte und Hinfälligkeiten, auf die dauernde Abwesenheit des Glücks. Nicht, weil ich das Unglück beschwören möchte und insgeheim in es verliebt bin, sondern weil das Schöne nichts und niemanden mehr braucht. Mit dem Schönen können wir sehr gut allein sein, mit dem Unglück nicht. Auch davon spricht eines meiner Gedichte:

Zwischen den Zeilen

1
Es gibt viele schöne Dinge
für ein Gedicht, die ein Gedicht
nicht mehr brauchen,
weil sie schon schön sind.

2
Dennoch, ich wollte sie nennen, alle,
bis zur weißen Blüte der Kirsche.

3
Aber immer, zwischen den Zeilen,
bleibt etwas übrig.

Freilich, nicht jeder will wissen, was übrig- und auf der Strecke bleibt, zwischen den Dingen, die sich schnell verbrauchen und am besten gleich konsumieren lassen. Aber offen gesagt, es ist mir auch egal, und ich strecke die Waffen. Dort, wo sich die Ideale von Freizeit mit einer Fernsehshow vom Dschungelcamp treffen, haben wir sowieso schon verloren. Da brauchen wir auch keine Bücher mehr, von diversen und meistens nur peinlichen Lebensbeichten vielleicht einmal abgesehen. Und machen wir uns nichts vor: wir, für die Literatur, und ich meine jetzt wirklich einmal nur die Literatur, die ihren Namen auch verdient, eine Möglichkeit des Lebens und des Überlebens ist, werden überschaubarer von Tag zu Tag. Wir sind eine Minderheit, die sich nur deshalb nicht als eine solche empfindet, da sie noch immer die Säle und Buchhallen füllt, wenn die entsprechenden Termine herangerückt sind. Was ich verlange, ist eine Art Minderheitenschutz, ein Reservat an kulturellem Sinn, ohne den wir zu Barbaren werden. Natürlich weiß ich, daß ein guter Verleger auch ein guter Kaufmann sein muß. Aber wer nur Geld verdienen will, egal auf welcher Seite der Literatur, der sollte doch besser gleich eine Wurstfabrik gründen. Wobei es natürlich auch ein kleines, verborgenes Glück ist, daß die Finanzkrise, von der wir jeden Tag hören, ohne deren Ausmaß auch nur annähernd zu begreifen, Geld in seiner völligen Leere und Wertlosigkeit vorführt und, ich zitiere eine Zeitung: ›Bänker so stark wie die Bären zu Tränen rührt‹. Wenn man bedenkt, daß da eben mit Island ein ganzer Inselstaat von zockenden Kapitalmarktbrokern verspielt worden ist und die Bevölkerung vielleicht schon als Insolvenzmasse kursiert, weiß man einmal mehr, daß die Absurditäten des Realen auch noch die kühnste literarische Phantasie übersteigen. Aber wenigstens liegt im Bedeutungssturz des Geldes eine Befreiung von Sinn, so meine gewiß nur kleingehaltene Hoffnung. Also tun wir, was unsere Aufgabe ist und sagen es mit dem liebenswürdigen Bartleby: ›Nein, ich will lieber nicht‹. Und wenn es etwas gibt, auf das ich, ohne hochmütig zu werden, ein wenig stolz sein möchte, dann ist es die existentielle und ästhetische und geistige Konsequenz, mit der ich immer gedacht und geschrieben habe und auch weiterhin denken und schreiben werde, so wahr mir Gott und die Sparkasse helfen. Mein Verleger, der heute anwesend ist und diesen Weg mit mir geht, hilft sowieso, und auch dafür möchte ich danken. Vielleicht hatte Rainer Malkowski, in dessen Namen wir hier und heute versammelt sind, Ähnliches gemeint, als er sein wunderbares Gedicht ›Schöne seltene Weide‹ schrieb, das ja, mit seinen letzten zwei Versen, den ganzen Widerstand beschreibt, den wir zu leisten haben.

Schöne seltene Weide

Manchmal, nach einem Herbststurm,
wenn die Luft still und gefegt ist,
gehe ich im Garten umher und zähle
die abgeschlagenen Äste.
Nur die Weide zeigt keine Veränderung.
Ich bewundere sie lange:
nicht immer sieht es so schön aus, 
wenn die Biegsamkeit überlebt.

München, am 24.11.2008