Werner-Bergengruen-Preis, 2013

Laudator: Tilman Spreckelsen

Begründung der Jury

»Wir preisen einen, der sprachmächtig ist, ohne der Sprache zu trauen, der als Autor in Lyrik, Prosa, Essay die Welt und das Leben auch jenseits der Sprache aufspürt, im Schreiben leidenschaftlich Kommunikation sucht und Poesie gewinnt aus dem Unsagbaren zwischen den Zeilen. Mit subtilen Mitteln schafft Kurt Drawert so seit den achtziger Jahren in seinen Gedichten, wie auch in seinem großen DDR-Roman aus der Kaspar-Hauser-Perspektive, spannende Innenwelten, die sich gegen eine oft surreal anmutende Außenwelt souverän behaupten.«

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Kurt Drawert: Bergengruen, der »Rodensteiner«

Eine Dankesrede

»Mit Werner Bergengruen verbinden mich Spaziergänge im Rodensteiner Land – jener Gegend im Odenwald, in der er in den 1920er Jahren bei seinem Schwager Dr. Hans Schenck in Lindenfels zeitweilig lebte, und in der ich, nur wenige Kilometer entfernt, eine kleine Schreibwohnung habe. Bergengruen war so fasziniert von diesem Ort, der Landschaft und den Menschen, dass er begann, die Sagen und Legenden, die hier entstanden und erzählt worden sind, zu sammeln und niederzuschreiben, wie es vor ihm schon August Friedrich Langbein und, in etwas entromantisierterer Weise, Joseph Victor von Scheffel getan haben. ›Das Buch Rodenstein‹, so der Titel bei Bergengruen, ist gerade neu aufgelegt worden, und es begleitet mich auf meinen Wanderungen, die ich hier sehr gern unternehme. Von Fränkisch-Crumbach zur Burgruine Rodenstein führt einer meiner Lieblingswege, und meistens fällt mir dabei etwas ein, das am Schreibtisch nicht gelingen wollte. Denn man darf nichts suchen, wenn man finden will, und man findet, wenn man nichts sucht, und so wird auch das Gehen zu einer Art und Weise des Schreibens. Kurz vor der Burgruine nun sind Schrift- und Bildtafeln an den Wegrand gestellt, die Auszüge aus dem Sagenbuch enthalten und auf den Autor Bergengruen verweisen. Das war meine erste Begegnung mit diesem Schriftsteller, in dessen Namen ich heute bei Ihnen sein und einen Preis entgegennehmen darf. Die Figur des ›Rodensteiner‹, die das Zentrum dieser Sammlung bestimmt, ist Erzählung und Metapher zugleich, und das macht sie für mich interessant […]«

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