Deckblatt Michael Krüger: Archive des Zweifels

Michael Krüger,
»Archive des Zweifels.
Gedichte aus drei Jahrzehnten«

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
suhrkamp taschenbuch 3295
163 Seiten, EUR 6,99
ISBN 978-3-518-39795-4

  • Textauszug

Auszug aus dem Nachwort: Gegen die Zeit

(…) Dennoch, bei aller Beladenheit mit Rationalität, Krügers Gedichte erreichen immer Leichtigkeit und werden auf eine komplizierte Weise auch einfach. Sie wollen vor dem Leser nichts verbergen und auf keine dunklen Zonen verweisen, in denen ein Sinn erst erfunden werden muß. Die »Reden« und »Briefe«, die stets auf der Suche nach dem anderen sind, die Spaziergänge und Reisen, durch eine Landschaft oder ins Innere des Augenblicks: Es ist das Unspektakuläre, in dem sich die Sprache unter Beweis stellen muß, um ihre Wahrheit zu finden. Alltäglichkeiten zu beschreiben und dies so zu tun, daß sie zur Besonderheit werden, gehört zu den größten Herausforderungen in der Literatur. Michael Krüger ist ein Autor der Alltäglichkeiten, und ihm gelingt es, mit jedem Detail und in jedem noch so kleinen Ding die Kraft des Aufruhrs zu zeigen, der Sensation und der Einmaligkeit. Und wenn er uns seine Geschichte erzählt, vom »Winter 77« auf der Liebigstraße in München bis zum Halt auf freier Strecke kurz vor einem neuen Jahrtausend, dann ist es immer auch eine kollektive Geschichte, eine deutsche, unsere. Das können nur die wenigsten, denn »das Gedächtnis/ ist nicht zu erkennen. Schwer liegt es/ hinter den Augen und zischt/ wie heruntergebranntes Feuer,/ wenn eine Träne hineinfällt.«

PS: Über vieles wäre noch zu sprechen. Aber dafür, leider, fehlt uns die Zeit.