Deckblatt Der Körper meiner Zeit

Der Körper meiner Zeit. Gedicht

Verlag C. H. Beck, München 2016
206 Seiten mit 96 Abbildungen
21,95 Euro, ISBN 978-3-406-69801-9

Inhalt

Buch (1) O Odenwald
I 12 Terzette und eines unabgeschlossen
I 12 Terzette und eines unabgeschlossen
II 22 Zweizeiler und einer unabgeschlossen
III 11 Quartette und eines unabgeschlossen (2 Verse)
IV 11 Quartette und eines unabgeschlossen (3 Verse)
V 14 Quartette und eines mit hartem Zeilensprung im 3. Vers
VI 11 Quartette und eines mit hartem Zeilensprung im 4. Vers
VII 14 Terzette und eines unabgeschlossen
VIII 18 Terzette und ein Vers mit einer Zäsur / auf der Zeile
IX 12 Quartette mit hartem Zeilensprung nach dem 3. Vers
X 10 Quartette und ein Vers
XI 10 Quartette und ein Zweizeiler
XII 10 Quartette und eines mit hartem Zeilensprung im 3. Vers
XIII 11 Quartette und ein Zweizeiler mit hartem Zeilensprung
XIV 10 Quartette und ein Vers
XV 10 Quartette und ein Terzett mit hartem Zeilensprung im 2. Vers
XVI 10 Quartette und ein Wort
XVII 14 Terzette und ein morphologischer Zeilensprung in 14/3
XVIII 9 Quartette und ein Zweizeiler mit hartem Zeilensprung
XIX 10 Quartette und eines mit hartem Zeilensprung im 3 Vers
XX 10 Quartette und ein Zweizeiler
Buch (2) Das Buch Klara. İstanbul (I)
XXI Und so geschah es
XXII Zwei Fremde kamen hinzu
XXIII Ich erwachte und wartete auf das Gefühl, Gefühle zu haben
XXIV Scheiß Frühlings-/Anfang der Lüge
XXV Wenn ich abends, am blinden Wachhund vorbei …
XXVI Ich gehe, denn ich möchte nicht angekommen sein
XXVII Ich sehe, wie ich gesehen werde, dass ich es sehe
XXVIII Diese Nacht gehört der Dunkelheit allein
XXIX Ich bin sehr gerne fremd und verstehe am liebsten kein Wort
XXX RTL meint: Nach unten ist immer noch Luft
XXXI Wenn das Glück mir erscheint, bin ich verloren
XXXII Wieder und wieder fallen die Steine zurück auf den Weg
XXXIII Der Traum von einem osmanischen Holzhaus am Meer
XXXIV Keiner ist mehr weg, wenn er weg ist
XXXV Die Lage ist ernster, als niemals gedacht
XXXVI Psychologische Gastarbeiter haben herausgefunden
XXXVII Für mich selbst überraschend
XXXVIII Die Zeit ist zu lang, um gar nichts zu tun
XXXIX Der Abend beugt sich über den Flusslauf
Buch (3) Das Buch Klara. İstanbul (II)
XL Der Tod beginnt im September
XLI Im Moment tiefster Trauer stand die Sonne am höchsten
XLII Die Karten sind schlecht, die Tage gezählt
XLIII Die Bilder verlassen mich wie die Vögel die Orte des Winters
XLIV Es hat eine Bewegung auf meinem Konto gegeben
XLV Die Stunden sind wieder kälter als gut
XLVI a) »Ich habe den Geruch deiner Haare vergessen«
XLVII Vor dem größten aller Abschiede müssen wir Rück-/kehrer sein
XLVIII Ich habe immer bezahlt
XLIX Die Wege der Trennung sind unerbittlich. An den Bosporus
Buch (4) Die Zeit danach
L Trauer ist Abschied vom Schönen
LI Meine Gemeinde hat jetzt hochgerüstet
LII In D. (Sachsen) ist wieder jeden Montag jeder das Volk
LIII (Hier steht nichts.)
LIV Heute trifft sich der flashmob beim Bäcker
LV Wie eine Stelle, auf der schon etwas steht
LVI Die Kühe, ferngesteuert
LVII Als ich gestern zur letzten Stunde
LVIII Wer, wenn ich weiterhin schriebe, bezahlte mich denn …
LIX Endlos ist meine Angst vor der Endlichkeit der Liebe
LX Seit gestern 0.00 Uhr: Die Schrift-/steller streiken
LXI Auch wenn am Ende alles endet im Anfang
LXII Ein Hund vom Wachdienst erkannte mich wieder
LXIII Eine Spinne in ihrem Netz erkannte mich wieder
LXIV Ein Regenbogen, ein Restmüllbehälter, eine Reinigungsfach-/frau erkannten mich wieder
LXV Wenn jeder auf der Flucht ist, ist die Flucht keine Flucht mehr
LXVI Wenn ich jetzt, von einem Terrassencafé in Mardin …
LXVII Klara wurde, von einer zur anderen Stunde, sehr hässlich
LXVIII Wie du das telefonisch hinbekommen hast …
LXIX Es sind noch so viele Zeichen aus deinem Leben in meiner Zeit
LXX Frau Müller, jetzt am Osthang und mir angenehm schräg gegenüber
Buch (5) Wenn alles gesagt ist
LXXI Es kommen die kälteren Tage. Für K. M.
LXXII Besonders interessiert mich § 7, Abs. II
LXXIII Die Schweiz braucht eine neue National-/hymne
LXXIV Ich lebe in der zweiten Hälfte des Winters. An den Rhein. Für C. H.
LXXV O zapft is. München, im Oktoberregen
LXXVI Ich habe zu viel Geld im Moment. Lenzburg
LXXVII Warum sich nicht selbst einmal Liebespost schicken
LXXVIII Wen hast du, als du mich liebtest, geliebt?
LXXIX Warum noch denken, wenn es bestraft wird
LXXX Ich finde es schwierig, einen Satz zu beenden
LXXXI Man gewöhnt sich an alle Preise
LXXXII Wäre der Tod eine wirklich sichere Sache … Zürich
LXXXIII Die Schweiz ist kein gefährliches Herkunftsland (mehr)
LXXXIV Jedem Anfang ist das Ende eingeschrieben
LXXXV Der Tod ist immer das Schicksal der anderen. Paris
LXXXVI Ein ruhiger Regen fällt nieder
LXXXVII Die letzten Sätze sind schon zwischen die Dornen und ins Leere gefallen
LXXXVIII Nichts ist mit sich selber identisch. Eine Bemerkung zu meinen Gesamtschwierigkeiten. Nachwort + Gebrauchsanweisung.
LXXXIX Danksagung
XC Blicke auf nichts. Eine Fotoerzählung

XLIX

An den Bosporus

Die Wege der Trennung sind unerbittlich und schneller als alle
Geburt. Was von Tag zu Tag und mit jedem Gang durch die 
Gassen und über die Märkte und mit jedem Verlangen, das fort-
während unerfüllt bleibt, hinzukam, erweist sich als Plunder, 

sobald die Blicke der Leidenschaft stumpf sind wie eine rostige 
Klinge, die im Kehricht liegt. Nicht ich, es handelt ein anderer 
und wirft alles weg. Die Schuhe des Sommers, Notizen, auf die 
Ränder einer Zeitung geschrieben, Gebrauchsgegenstände, halt-

barer als das eigene Leben, würden sie bleiben, wo sie jetzt sind. 
In Kisten trage ich zur Tonne, was bis eben unverzichtbar war. 
Wenn das Leben, das sich immerwährend Dauer wünscht, zur 
Vergangenheit wird, ist jede Abfallgrube augen-/blicklich voll. 

Am Bosporus stehen die Angler so nah beieinander wie keine 
Sardelle auf dem Teller liegt. Wer Glück hat, fängt nichts und 
kann länger träumen. Verkäufer bieten Mais an und Reis und 
heiße Kastanien. Wilde Hunde wärmen sich am Feuer, das sich 

durch weiche Scheite Holz, zur Pyramide aufgeschichtet, auf-
wärts und nach oben trägt. Im Wellenschlag gegen die Mole
treibt seltenes Treibgut und zerschellt. Der Fluss ist eine Karto-
graphie der Begierde, eine Dublette aller Verschwendung, und 

die Requisiten ziviler Betäubung gehen mit ihm wie das Fieber 
einem kranken Körper folgt. Das Meer und seine Strände mit 
ihren angeschwemmten Über-/schüssen, Rest-/beständen, ihrem 
Bruch, sind schon die Erzählung der Welt, die sich zu keiner 

Ordnung fügt. Wirr und verstoßen wie ausgesetzte Tiere, die zu 
frieren beginnen im Herbst, gerät in den Strudel und versinkt, was 
von Natur aus zu schwer ist. Das Leichte aber ist schon gebro-
chen, getrennt von seinem Ursprung, dem Ganzen. Oder es fliegt, 

weil es dem Himmel näher als der Erde ist, der Liebe als Wesen 
des Geistes tiefer verbunden als jeder Umarmung, die immer in 
Ent-/zweiung an sich selber scheitert. Was sich zu nah kommt, 
verliert sich zu früh aus den Augen. Nur Abstand schafft Nähe, 

nur im Alleinsein hat Zweisamkeit Bestand, weil sie so fern aller 
Zerstörungen bleibt. Auch das eine Wahrheit des Wassers: dass 
es auflöst und neu verbindet, scheidet und fügt. Es sind Zeichen, 
die mit den Wellen verschwinden, so wie die Dinge mir noch 

einmal in den Händen liegen, ehe die Sonne sinkt in den Fluss, 
wenn es soweit ist. Das alles ist Dispersion, Zer-/streuung von 
Gewissheit und System. Und das ist auch, was bleibt: das Nichts 
und seine Ewigkeit. Dann stürzte ich über die Treppe aus Stein 

auf die Steine, schlug auf, wo der Ab-/fall schon lag, der mir in 
Kisten aus den Händen fiel. Vor Kilyos, erfahre ich später, ver-
sank ein schwarzer, brüchiger Kahn, und es ertranken, während-
					          				dessen, die Fremden.