Deckblatt Der Körper meiner Zeit

Der Körper meiner Zeit. Gedicht

Verlag C. H. Beck, München 2016
206 Seiten mit 96 Abbildungen
21,95 Euro, ISBN 978-3-406-69801-9

»Auch sein neues Werk giert nicht nach Lesern. Es lässt sich aber entdecken. Der Körper meiner Zeit ist ein Langgedicht von zweihundert Seiten, eingeteilt in 88 Abschnitte, die man auch als einzelne Poeme lesen kann. Die Einteilung in Strophen ist streng, der Duktus dagegen prosaisch gelockert. (…) Die Gedichte, auch wenn sie streckenweise im Selbstgesprächsmodus verbleiben, bieten die Vergnügungen des sprachlichen Ausdrucks: griffige Formulierungen, starke Bilder, funkelnde Paradoxe, geschliffene Sentenzen, trockene Kalauer. Eine schöne Formel: „Der Reim kehrt zurück ins geplünderte Herz. Wer erst einmal Eingang in dieses Buch gefunden hat, wird es als eines der ergiebigsten Werke der deutschen Gegenwartslyrik erfahren, als ein Vademecum für geplünderte Herzen.«

Aus: Wolfgang Schneider: »Tief im Holunder verrottet der Plunder. Kurt Drawert reist mit einem Langgedicht durch die Welt und findet die Vorhölle doch ganz nahe.«, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. April 2017

Tief im Holunder verrottet der Plunder (pdf-Datei, 1,73 MB)

»›Ich bin das Unglück von beiden Seiten seiner / Wirkungsgeschichte‹: Wer mit solchen Versen die poetische Vermessung der Welt beginnt, der hat wenig Aussichten auf die Leichtigkeit des Seins. Wie viele große Lebensbücher der Moderne entfaltet Kurt Drawerts Langgedicht Der Körper meiner Zeit den Versuch eines gefährdeten Ichs, den Abgrund der eigenen Existenz auszuleuchten. Ein zersprungenes Subjekt besichtigt den ›Scherbenhaufen‹ des eigenen Lebens und topografiert mithilfe poetischer Ortserkundungen die eigene Misere. (…) Am Ende zerfallen dem Subjekt nicht nur die Illusionen der Liebe, sondern jede Aussicht auf eine verlässliche soziale Bindung: ‹Mein zer-/sprun-/genes Subjekt erkannte mich wieder und sah zu, wie ich mir sel-/ber ein Streitfall ohne Auflösung war.‹ Der große Existenz-Gesang des Dichters Kurt Drawert verkehrt Hölderlins Hoffnung in ihr Gegenteil. Seine poetische Rede strebt aus den Begrenzungen und Starrheiten heraus, aber nirgendwo wächst das Rettende: ›Komm!, ins Geschlossene, Freund-/in!‹«

Aus: Michael Braun: »Das zersprungene Ich. Die eigene Existenz singen: Kurt Drawerts Langgedicht Der Körper meiner Zeit. « Der Tagesspiegel, 3. März 2017

Das zersprungene Ich (pdf-Datei, 1,23 MB)

»Kurt Drawert gelingt in seinem sechzigsten Jahr etwas, was große Dichtung auszeichnet: Eigene Befindlichkeiten stimmig mit den mondialen Aporien unserer Zeit zu verknüpfen, die Ich- und Welträtsel mit genauer Reflexion der schwierigen Relationen zwischen Ich, Sprache und Welterkenntnis. Hinzu tritt, dass das unausweichliche Parlando des Langgedichts wieder und wieder über die Dichtheit des semantischen Netzwerfens hinwegtäuscht. Oder wie der Sprecher resümiert: ›Auch wenn am Ende ales endet am Anfang, folgt jeder Weg/anderen Wegen wie die Linien den Linien im zersplitterten Glas.‹«

Aus: Peter Geist: »Linien im zersplitterten Glas. Zu Kurt Drawerts Der Körper meiner Zeit«, in: TEXT + KRITIK, Nr. 213, Januar 2017

»Ein Poem, das seinesgleichen sucht; in der zeitgenössischen Lyrik steht es jedenfalls einsam da, zugleich an vorderster Front: Kurt Drawert hat eines seiner schönsten Gedichte, sein Heimatgedicht C-Dur (nach zwei Jahrzehnten) wieder aufgenommen, unter den neuen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einer kritischen Revision unterzogen und schließlich mächtig ausgebaut, und zwar fulminant.«

Aus: Johann Holzner: »Ein neues Wintermärchen. Kurt Drawert Gedicht Der Körper meiner Zeit«, literaturkritik.de

Zum Artikel auf der Website literaturkritik.de

»Bei aller Melancholie oder resignierter Stimmung ist diese auf eine alltägliche Weise weltläufige Poesie aber auch von komischen und komödiantischen Wendungen durchzogen, von Scherz und Witz, oft von bösem Sarkasmus. Eben zitiert er noch Lacan, schon greift er parodistisch in die Kiste des hohen Tons. … ›Dann war es schlagartig dunkel, und auf die sanften/ Brüste der Erde legte sich die Seide des Tages und ließ/ die Farben der Liebe noch einmal prächtig erblühen,// so im zarten Rosa der letzten Saison – hier, im Modehaus/ next to the cemetery.‹ So nebenbei zeigt er uns seine meisterliche Beherrschung unterschiedlicher Stile und poetischer Techniken, die er aus den Rissen einer depressiven Stimmung hervorblitzen lässt und mit einer komischen Volte vorführt: … ›Gestern, als ich zu Merz nach Aarau fuhr und der Zug kam/ an, so stolz wie ein Schwan, wenn er auf Seerosen landet.‹«

Aus: Bernd Leukert: »Sehr gerne fremd. Kurt Drawerts Gedichtband Der Körper meiner Zeit«. faust-kultur

Zum Artikel auf der Website faustkultur.de

Podcast, Deutschlandfunk/Büchermarkt, 16. Mai 2017, Volkmar Mühleis/Kurt Drawert

Zum Podcast auf der Website des Deutschlandfunks

»Das lyrische Ich behauptet sich, immer wieder, indem es sich verflüchtigt. Es entzieht dem Interpreten den Boden durch Sätze wie: ›Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich immer nur lüge.‹ Das Gedicht lässt sich nicht fassen, nicht festlegen, schon windet es sich und entzieht sich – und darin liegt seine subversive Kraft. ›Es gibt nur einen Ort, sich selbst nie zu treffen, und das ist / die Sprache.‹ Der Lesende bewegt sich wie in einem Zug, der in einer Möbiusschleife zwischen Erfindung und Wirklichkeit gefangen ist. (…) Der Körper meiner Zeit ist ein Langgedicht, das Maßstäbe setzt. Ein Zusammenbruch, und gleichzeitig ein Fest des Intellekts. Es ist ein Text, der sich selbst vollkommen genügt. Und doch, er sucht den Austausch. Ein Meisterwerk.«

Aus: Martina Weber: »Die Verteidigung des Subjekts in seiner Auflösung. Zu Kurt Drawerts Gedicht Der Körper meiner Zeit«, in: poetenladen, 11.12.2016; OSTRAGEHEGE, 1/2017

»Drawerts (Strophen) zehren von einer enormen Bildkraft, die sich in Metaphern von großer Schönheit entlädt.«

Ulf Heise, Freie Presse, 21. Januar 2017

»Bewundernswert ist, wie Drawert immer wieder überraschende, plastische Bilder findet, Formulierungen, die in ihrer Schärfe sich ins Papier zu ätzen scheinen. (…) In aller Trockenheit musiziert sich das aus, mit beeindruckender Beharrlichkeit.«

Eberhard Geisler, Die ZEIT, 19. Januar 2017

»Ein imposanter Versuch, aufs Ganze zu gehen, ein poetisches Projekt, das seinesgleichen nicht hat in der deutschsprachigen Gegenwartslyrik.«

Beate Tröger, SR 2, 18. Januar 2017

»Elegische Formulierungen vermitteln dem Leser ein Gefühl der Schwerelosigkeit, sie sind geprägt von Meisterschaft.«

Ulf Heise, Leipziger Volkszeitung, 18. Januar 2017

»Drawert ist als kritischer Poet ein Tausendsassa in allen literarischen Genres.«

Tomas Gärtner, Dresdner Neueste Nachrichten, 18. Januar 2017

»Seine poetische Rede strebt aus den Begrenzungen und Starrheiten heraus.«

Michael Braun, Die Rheinpfalz, 10. November 2016

»So radikal, wie man ihn kennt, hat Drawert seiner neuen Erzählung die Form eines Langgedichtes gegeben, mit wechselnden Rhythmen und Versformen, aber so konsequent strukturiert, dass die Wirkung nicht ausbleibt: Der Leser, ist er erst einmal in diesen Wortfluss gestiegen, wird Teil des Gedankenstroms, aus dem immer wieder starke Bilder aufragen.«

Johannes Breckner, Darmstädter Echo, 24. Oktober 2016

»Er versucht, Zeit im Textkörper zu verräumlichen, sich Gegenwart zu erschreiben, sich in sie einzuschreiben. Das findet Ausdruck in manchmal humorvollen, manchmal dem Verzweifeln nahen Versen.«

Beate Tröger, Der Freitag, 13. Oktober 2016

»Drawert, der als literarisches Multitalent (Lyrik, Essay, Roman) noch immer deutlich unterschätzt wird, ist ein akribischer Wortarbeiter, der weiß, dass Gedichte, ob lang oder kurz, letztlich nur aus einem bestehen: aus Sprache.«

Andreas Wirthensohn, Wiener Zeitung, 8. Oktober 2016

»fulminant«

Martin A. Hainz, Fixpoetry, 27. September 2016

»Ein unerhört spannender Trip!«

Kurier am Sonntag, 20. August 2016

»Drawert ist es gelungen, in makelloser Sprache, in brennenden Bildern zu bannen, was unser aller Existenz ausmacht: das Elend der Suche nach Glück. Sein Poem ist ein großer Gesang.«

Fritz J. Raddatz, DIE WELT 25./26.1.2014

»Kurt Drawert hat Standards gesetzt.«

Axel Helbig, Dresdner Neueste Nachrichten