Deckblatt Privateigentum

Privateigentum

Gedichte
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1989
es 1584, 138 Seiten, DM 10,–
ISBN 3-518-11584-7

»Drawerts lyrisches Sprechen … leistet mehr als eben nur DDR-Inventur. Die deutschsprachige Literatur, so läßt sich sagen, hat einen Lyriker mehr, den zu lesen sich lohnt, auch wenn es demnächst keinen Staat DDR mehr gibt.«

Wolfgang Emmerich, Radio Bremen am 19.4.1990

»Die heute dreißigjährigen Dichter haben, wie sie selbst salopp sagen, nicht viel mit der alten DDR am Hut gehabt. Die Werte, für die die Generation vor ihr gekämpft hatte, die waren schon längst fragwürdig geworden, ja einfach nicht mehr auf der Tagesordnung. Bei Kurt Drawert kommt die DDR so gut wie nicht vor – oder doch? Vielleicht gerade in der Negation, in der Rettung privater Räume, in der Hochschätzung des Traums, im Freihalten der Sprache als Klartext und vor allem – im Beharren darauf, daß die Empfindungen des Lyrikers Privateigentum sind.«

Aus: »Die neuen Ich-Gefühle. Neunzig Gedichte von Kurt Drawert« von Hans-Jürgen Schmitt, Süddeutsche Zeitung am 4.4.1990

»Hermetisch sind diese Gedichte nicht, im Gegenteil: der Leser, der sich ihnen überläßt, wird unauffällig vom einen zum anderen gezogen oder geleitet. Denn die Abfolge, die rhythmische Anordnung ist so sorgfältig, so unauffällig folgerichtig, wie man das in Gedichtbänden nur selten findet; da scheint nichts dem Zufall überlassen, doch sind die Fäden zwischen den einzelnen Texten locker gelegt. (…) Schreiben als Bewegung, als Befreiung, dem Gehen anvertraut, dem Gehen abgelauscht: das ist das eine. Poesie als Bestandsaufnahme der erfaßbaren Welt, die Bewegung erst ermöglicht oder bewußt macht, das ist das andere. Es ist das Thema des großen, des merkwürdigen, des sekundenlang befremdenden, dann ganz überzeugenden Gedichts, das Drawert selbstbewußt ›Zweite Inventur‹ nennt.«

Aus: »Rückblende. Gedichte von Kurt Drawert« von Elsbeth Pulver, Neue Zürcher Zeitung am 9.3.1990

»Obwohl Drawert seine Mittel sparsam einsetzt (die Bildkonstruktionen sind eher handwerklich solide als spektakulär), verhindert seine komplexe Sicht auf die Dinge und Vorgänge ein Nachlassen der Sprachintensität, ein Verfallen in die formelle Wiederholung teilweiser Erkenntnisse bei der Forschung nach einem Lebenssinn. (…) In den Gedichten Kurt Drawerts findet sich nichts Appellatives, aber sie sind Angebote zum Dialog.«

Aus: »Projektion einer deklinierten Welt« von Hubert Schirneck, Mittelbayerische Zeitung am 10./11.3.1990