Deckblatt Ich hielt meinen Schatten für einen anderen und grüßte

Ich hielt meinen Schatten für einen anderen und grüßte

Roman
Verlag C. H. Beck, München 2008
117 Seiten, gebunden, EUR 19,90
ISBN 978 3 406 57688 1

»Bösartiger, funkelnder, geistreicher ist über den Untergang der DDR noch nicht geschrieben worden.«

Jörg Magenau, Der Tagesspiegel, 19. Oktober 2008

»So sprachmächtig wie hier wurde noch nicht vom Untergang der DDR erzählt.«

Hajo Steinert, Focus, 15. Dezember 2008

»Mit diesem Buch ist Kurt Drawert ein großer Wurf gelungen, ein wichtiges Buch. In ein paar Generationen spätestens wird es als das gelesen werden können, was es ist: als ein Epos von nationalem Rang.«

Gabriela Jaskula, NDR Kultur, 20. Juli 2008

»Die grotesken Spielarten der DDR-Wirklichkeit werden von Drawert in Sprache übertragen, wobei er auf realistische Beschreibungs-und Deutungsversuche verzichtet. Die Geschichte mutet phantastisch an, aber sie ist gerade in ihrem phantastischen Gehalt von beklemmender Realität. (…) Ohne im Rauschhaften zu schwelgen, wie es die Surrealisten taten und ohne ihren gesellschaftlichen Optimismus zu teilen, kehrt Drawert in seinem glänzend geschriebenen Roman das Unterste nach oben.«

Michael Opitz, Deutschlandradio Kultur, 1. August 2008

»(…) das ist ein schlagartig erhellender Gedanke: der totalitäre Staat als ein Staat, der seine Bürger in einem ständigen, diffusen Schuldgefühl hält, in einem Gefühl, dem Staat etwas zu schulden – von diesen Schuldbezirken gibt es neun. Drawerts Erzähler lebt im neunten, dem schrecklichsten, in einer Stadt namens ›Leiden‹ – zusammengezogen aus Leipzig und Dresden – aber natürlich auch ein sprechender Name – und hier wächst der Erzähler auf – Jugend, Pionierzeit, Musterung, … Aushilfstätigkeit als Nachtwächter in der nationalen Bücheranstalt von Leiden, wo er Bücher aus dem Giftschrank abschreibt und unter das Volk bringt – was die Fundamente dieses Untertagestaates nachhaltig ins Wanken bringt – so daß er letztendlich implodiert. – Und das ist dann nur der grandios aberwitzige Abschluß von Drawert / Kaspar Hausers DDR-Geschichte, und die ist voll von herrlich absurden, aberwitzigen Szenen. (…) Dieser Roman ist eben beides, er ist Satire und der überaus gewissenhafte Versuch einer geschichtlichen Tiefenbohrung, und in beiderlei Hinsicht durchaus gelungen.«

Alf Mentzer, Hessischer Rundfunk, 9. September 2008

»So böse und bitter, so rücksichtslos und mit so viel schwarzem Humor ist dieses Land (…) wohl noch nie attackiert worden. (…) Kurt Drawerts Roman ist eine fulminante Abrechnung mit dem Unterdrückungssystem DDR, ein Befreiungsschlag, eine wüste Sprach-Attacke, eine Geisteraustreibung, ein höhnischer Kommentar zum einstmals real existierenden Sozialismus: ›Das war sie, die Ekstase der Revolution…‹.«

Claus-Ulrich Bielefeld, DIE WELT, 20. September 2008

»Ebenfalls eine fantastische Konstruktion ist der erste Roman des Lyrikers und Essayisten Kurt Drawert, ›Ich hielt meinen Schatten für einen anderen und grüßte‹. Den sonderbaren Fall des verwahrlosten Findlings Kaspar Hauser aus dem 19. Jahrhundert vor Augen, läßt der Autor seinen ›ostdeutschen Erdling‹ eine unwirkliche, apokalyptische Welt in neun ›Schuldbezirken‹ der ›Deutschen D. Republik‹ durchschreiten. Die absurden, grotesken Situationen und Monologe wollen Metaphern der inneren Obdachlosigkeit unserer Zeit sein. Eine denkbare Reminiszenz an die Deutsche Surreale Republik.«

Rainer Schmitz u.a., Focus, 13. Oktober. 2008

»Dieser verunstaltete ›Kaspar der Revolution‹ erinnert sich so ernst wie komisch, so realistisch wie surreal an sein Leben als Höllenfahrt durch die neun ›Schuldbezirke‹ der ›Deutschen D. Republik‹.«

Gerd Schäfer, SR 2 KulturRadio, 7. November 2008

»Eigenwillige muttersprachliche Antwort auf Fehlentwicklungen des geteilten Vaterlandes (…) Der Roman ist dementsprechend mit einer kunstvollen Zurückhaltung im Ausdruck abgefaßt; die Sprache unternimmt es, den anfänglichen Zustand der Armut, niemand redet wie ein Klassiker, hinter sich zu lassen. Wirklichkeitsgetreu, angemessen ebenfalls in der Wortwahl, wird von Menschen fernab eines würdigen Lebens, buchstäblich von einem versunkenen Leben, berichtet.«

SR 2 KulturRadio,8. November 2008

»Es kommt auf derart hohem stilistischen wie intellektuellem Niveau daher, daß es allein durch seine Qualität (…) den Tand der applaudierenden Animationsliteratur beiseite wischt. (…) Diese Prosa ist von einem geradezu bestürzenden Anspruch; sie versucht in immer neu ausschwingenden Satzgirlanden das selbst gestellte Gebot einzuhalten, ›nach einer Sprache zu suchen für die Geschichte am anderen Ende der Wirklichkeit‹. Das ist die eine grandiose Seite dieses Kunstwerks: Der Autor bildet die Welt nicht ab, sondern erschafft mit seiner Sprach- ›Kunst der Fuge‹ eine ganz eigene, nichtrealistische Welt; er selber ist, und damit wir alle, ›als Staub der Geschichte, mit Sprache vollgesudelt (…). Im Sinne der großen Verwerfung, eines fast mittelalterlichen dräuenden taedium vitae, ist der Roman von giftiger Welthaltigkeit.«

Fritz J. Raddatz, Die Zeit, 20. November 2008

»Während andere Autoren minuziös ihre Familiengeschichte aus der untergehenden DDR retten, steigert er seine Geschichte zum Gleichnis des Totalitären überhaupt. Weiter noch: zum Bild existentieller Verlorenheit.«

Samuel Moser, Neue Zürcher Zeitung, 20./21. Dezember 2008

»Die Sprache ist das einzige Widerstandspotential des Romans. (…) Jeder schöne Satz ist nicht nur schön, er bildet zugleich einen Angriff auf die mediokre Realität, die mit ihm nicht mithalten kann. Die Sprache ist das gefährliche Instrument, das Bastionen stürzt, und Drawert ist ihr wunderbarer Prophet.«

Anton Thuswaldner, Die Furche, 9. Januar 2009

»Das beste Werk über die Wendezeit ist da! Mit Sprachgewalt, Witz und einer treffenden Systemanalyse hat der vor allem als Lyriker und Essayist ausgezeichnete Kurt Drawert mit seinem ersten großen Roman die DDR aufs Korn genommen (…)

Der Autor führt uns einer DDR vor Augen, in der der Einzelne kein Existenzrecht hatte. So exakt hier der SED-Staat in seiner bürokratischen Brutalität gezeichnet wird, so befreiend sind Sprachkunst uns Phantasie dieses Romans, die die Realität demaskieren und ihre Absurdität auf die Spitze treiben. Ein skurriles Meisterstück, das dem aberwitzigen Geist des Totalitarismus beeindruckend nahe kommt.«

Henriette Ärgerstein, Rheinischer Merkur, 29. Januar 2009

»In ›Ich hielt meinen Schatten für einen anderen und grüßte‹ unternimmt Kurt Drawert eine Generalabrechnung mit dem, was für ihn DDR war und legt eine Mischung aus postmodernem Palimpsest und satirischer Schelmensaga vor. (…) Drawerts Unterfangen hat aber auch eine sprachphilosophische Dimension. Das manische Gerede seines Helden legt einerseits die Sprachmechanismen der DDR bloß, spürt den Vergiftungen und Beschädigungen durch Sprache nach und bemüht sich zugleich, zu einem neuen Sprechen über die Wirklichkeit vorzudringen. (…) Dies ist ein wichtiges Buch, ein Roman der Notwehr gegen die noch nicht untergegangene DDR, jenseits aller ostalgischen Vereinnahmungen.«

Maike Albath, Süddeutsche Zeitung, 30. Januar 2009

»Die Vorzüge von Kurt Drawert zeigen sich aber vom ersten Satz an in der Sprache. Hier verrät sich die Überlegenheit des Lyrikers, der nichts dem Zufall überläßt. Ganz leichthin hantiert er mit einem reichen verbalen Instrumentarium und schiebt Wörter wie auf einem Schachbrett hin und her. Dazu kommt eine ausgeprägte Musikalität, die sich in Rhythmisierung und Melodie des Sprachflusses niederschlägt – alles Faktoren, die den Leser beeindrucken. Kurt Drawerts Sprache ist von gläserner Klarheit. Nie muß er seine Stimme laut erheben. Mit unheimlicher Präzisionsarbeit gelingt es ihm, in die finstersten Seelenwinkel seiner Figuren hineinzuleuchten und die groteskesten Zumutungen des Untertanenstaates bloßzustellen. Dieses Buch vibriert nur so von leisem Hohn, der zersetzend wirkt und die Verhältnisse wortlos entlarvt. (…) Kurt Drawert hat eine bitterböse Parabel auf die DDR, einen Schlüsselroman zur eigenen Selbstwerdung und eine Diagnose der inneren Obdachlosigkeit ihrer damaligen Bürger geschrieben. Es ist eine der rücksichtslosesten literarischen Abrechnungen mit dem Regime des subtilen Terrors geworden. Der Stachel im Fleische war ihm die eigene Vergangenheit. Es brauche keine Zeugnisse mehr, sagt einmal Kaspar Hauser zu Feuerbach, daß er ein Folteropfer gewesen sei, nämlich ‚ein Folteropfer sehr feiner und spurloser und körperlich nicht nachweisbarer Art. Mehr ein Sprachfolteropfer, abwesend und unmündig gehalten.«

Pia Reinacher, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. März 2009

»Kurt Drawert, 1956 in Brandenburg geboren und bisher durch Gedichte und Essays hervorgetreten, war einer von ihnen. Der Roman mit dem lyrischen Titel ‚Ich hielt meinen Schatten für einen anderen und grüßte’ ist sein erstes Erzählwerk. Und damit ist ihm ein Meisterwerk gelungen. Das Motiv des verwahrlosten Findlings Kaspar Hauser aufgreifend, erzählt das Buch mit dem Phantasiereichtum der ‚Blechtrommel’ und der Sprachkraft von Handkes ›Kaspar‹ vom Ende der DDR, die in eine an Dantes ›Inferno‹ gemahnende Unterwelt verlegt wird. Gerade weil Drawerts Buch ohne jeden erzählerischen Realismus auskommt, gelingt es ihm, ein sprachlos machendes Porträt der beklemmendsten Realität des Lebens in einer Diktatur zu entwerfen. Ein unverzichtbares Gegenstück zu Tellkamps Bürgertum-Epos ›Der Turm›.«

Wiener Zeitung, 4. Juli 2009