Deckblatt Alles ist einfach

Alles ist einfach

Stück in sieben Szenen
UA: Staatstheater Darmstadt 1996
Suhrkamp Verlag 1995
es 1951, 116 Seiten, DM 14,80
ISBN 3-518-11951-6

» – ›Wir hatten kein brauchbares Land‹ – ein so schlichtes wie vernichtendes letztes Wort über die DDR. Es stammt von Kurt Drawert, einem, der 1956 dort geboren wurde und dort blieb, bis die drei Buchstaben verschmolzen zum ›D‹. (…) Das unbrauchbare Land ging unter, die Welt aber bleibt die alte. Ihre Bedrohung durch die ›leerlaufenden Betriebe des Denkens‹ (praktikable Ideen sind kaum noch zu haben) sowie fatale Sehnsüchte, die kalte Einsamkeit der Freiheit gegen die Wärme im Sklavenkollektiv zu tauschen, beschwört schon wieder frischverstorbene Gespenster – zum Beispiel den todbringenden Mythos Ost (DDR). Die alten Gefahren sind – ganz einfach – die neuen. Kurt Drawert ist keiner der vielen eifrigen, als Aufklärer getarnten Reaktionäre. Seine Texte sind ideologiefreie Zonen. Sein Stück jedoch ist kein dramatisches Duell, sondern essayistischer, kulturkritischer Crashkurs in Dialogform.«

Aus: »Melancholische Melange: Drawert als Dramatiker« von Reinhard Wengierek, Die Welt am 18.6.1996

»Regisseur Kai Braak, der seine Karriere 1960 mit Beckett in Darmstadt begann, hat das Stück jetzt im Kleinen Haus uraufgeführt: als makabre Komödie aus dem Geiste Becketts, als witzigen Totentanz durch die jüngste deutsche Geschichte bis hinein in die Gegenwart, als Endspiel im Osten, das im Westen kein Ende nimmt. Denn Harry und Pit spielen sich durch wie Hamm und Clov, wie Pat und Patachon, sie warten wie Wladimir und Estragon, doch werden sie abgeholt – um weiter zu warten.«

Aus: Endspiel im Osten, nichts Neues im Westen. Kurt Drawerts Stück Alles ist einfach in Darmstadt uraufgeführt« von Claudia Schülke, Frankfurter Allgemeine Zeitung am 17.6.1996

»Kurt Drawerts dramatisches Erstlingswerk ist beachtlich in seiner (…) Kombinierung von Endzeitvisionen und Clownerie, in seiner Konsequenz, auf Wesentliches zu reduzieren, und in Bühnenpräsenz dieses Wesentliche als Abwesenheit zu definieren. Ein Bravourstück außerdem die selbstironische Abschaffung der eigenen Leidenschaft: was immer geschrieben wird, sei Wortmüll, Germanistenfutter, Schrott, sagt Harry, der Abgeklärte. Von Erkenntnisgewinn also kann keine Rede und kein Schauspiel sein. Zu einer solch dialektischen Volte mitten im Stück gehören Courage und trotzige Energie. Alle Achtung.«

Aus: »Wir leben in einer Anstalt. Uraufführung in Darmstadt: Kurt Drawerts Debüt-Stück Alles ist einfach« von Viola Bolduan, Wiesbadener Kurier am 17.6.1996

»Klaus Ziemann und Peter Hackenberger vermitteln in der Darmstädter Uraufführung sehr eindringlich diese Suche nach einer Identität, das Alte ist weggebrochen, das Neue bietet keinen Halt, und nirgends ist Orientierung. Regisseur Kai Braak lotet den Text Drawerts ohne Mätzchen aus, es ist eine Inszenierung, die ganz bei den Figuren bleibt und mit ihnen ein sehr großes Gespür für das Klima einer Zeit, einer ganzen Gesellschaft entwickelt, für das Zerbröseln all dessen, was manchem ein halbes, ein ganzes Leben lang Orientierung geboten hat. Drawerts Spiel ist kein Politstück im vordergründigen Sinne, keines, das mit schnellen Thesen und Parolen die Welt einteilt in gut und böse, richtig und falsch, aber es ist dennoch ein sehr politisches Stück, das eine Zeit und ihre inneren Verwerfungen auf beklemmende Weise reflektiert, eine Zeit, die von vielen, gerade im Westen, mit deutlicher Distanz und Selbstgerechtigkeit begleitet wurde.«

Aus: »Schuften für die blühende Landschaft. Kurt Drawerts Alles ist einfach im Staatstheater Darmstadt« von Eckhard Franke, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 4.7.1996